Die Konspirativen
Konzertberichte

Konzert vom 27.05.2001, Tanzbrunnen, Köln
Bericht: mona am 29.05.2001

27. Mai 2001, 22:25 Uhr in einem Zeitungsladen des Kölner Hauptbahnhofs: zwei junge Männer und vier junge Frauen stehen im Kreis und blättern heftig in einer frisch gedruckten Ausgabe des Kölner Express, bis sie aus heiterem Himmel in lautes Gejohle ausbrechen.

27. Mai 2001, 22:40 Uhr im Brauhaus Sion am Unter Taschenmacher: Die gleichen 6 jungen Leute sitzen um einen Tisch, jeder liest hochkonzentriert in seiner frisch erworbenen Ausgabe des Kölner Express.

Sind diese jungen Leute verrückt? Was ist ihnen widerfahren?

Verrückt sind sie vielleicht in einem gewissen Sinne, aber auf eine positive Weise: Alle sechs haben einige Stunden zuvor zusammen mit über 12000 anderen Menschen das Konzert der Wise Guys im Kölner Tanzbrunnen erlebt und einige der Sechs hatten sich nun, inmitten dieser Wise Guys auf einem großen Foto im Kölner Express wiedergefunden - mit diesen Wise Guys, die es irgendwie geschafft hatten, vor über 12000 Menschen ein bombastisches Konzert abzuliefern.

Also ein wirklich BOM-BAST-ISCH-ES Konzert.
Ich war dabei, deshalb kann ich das sagen.

12000 Menschen in einem riesen Open-Air-Gelände, alle in froher Erwartung, die Stimmung war einfach super. Trotz der Menschenmasse war alles noch so übersichtlich, daß man ständig auf bekannte Gesichter stieß - vielleicht half dabei aber auch unser Meeting Point, der dies leichter machen sollte.

Als wir kamen, hörte man sie schon proben. Sari ohne Begleitung, aber dafür tierisch laut - sehr interessant. Auch allein klingt's schon gut.

Zu Beginn liefen wir mit ganz vielen Helfern durch die Gegend und interviewten die Konzertbesucher, was riesig Spaß machte. Die weißen T-Shirts mit der Aufschrift "Ich bin wichtig" sorgten dabei allerdings für ein wenig Verwirrung, da sie von einigen Leuten so ernst genommen wurden, daß diese richtig knifflige Fragen stellten (Wie lange dauert das Konzert? Warum dürfen wir unsere Getränke nicht behalten?). Vielleicht hätte auf den Shirts besser stehen sollen "Ich sehe zwar wichtig aus, aber ich mach' nur Kreuzchen". Vielleicht waren die kniffligen Fragen aber auch eine Revanche für die Fragen, die wir den Leuten stellten.

Die Vorgruppe habe ich so gut wie gar nicht wahrgenommen, weil wir ja so beschäftigt waren. Irgendwann kamen aber die Wise Guys auf die Bühne, und das haben wir dann doch mitbekommen. Diesmal weiß ich die Reihenfolge der Lieder nicht mehr so genau, es war viel zu warm, sich alles zu merken, aber ansonsten war das Wetter superklasse: Nicht zu warm, aber sehr schön.

Die Wise Guys legten los, und ich war überrascht, wie gut der Ton rüberkam, auch diesbezüglich waren meine Befürchtungen zerstreut. So schön laut, daß man endlich einmal mit gutem Gewissen mitsingen konnte, was ja sonst bei a cappella Konzerten nicht so geht. Aber hier hat man noch nichtmal sich selbst gehört. Wise Guys laut und draussen und überhaupt klasse. So laut könnte ich die Anlage zu Hause schon aus Rücksicht auf die Nachbarn nie aufdrehen.

Daß ich bei Open-Airs und sonstigen Stehkonzerten nie besonders gut die Bühne sehen kann, bin ich mit meinen 1,64 Metern ohnehin gewohnt, aber dafür gab es eine tolle Großleinwand, die auch die Mimik der Fünf nicht verborgen ließ. "In echt" konnte man sie dann sehen, wenn man hin und wieder an ein paar Köpfen vorbeischielte. Außerdem war das Publikum auch sehr interessant zu beobachten.

Das Publikum war gut gemischt, es waren einige da, die sich dieses Konzert als Wise Guys-Premiere ausgesucht hatten, und auch diese Neulinge kamen bei dem vielfältigen Programm voll auf Ihre Kosten.

Einige alte Schätzchen wurden wieder ausgegraben: "Köln ist einfach korrekt", "99 Jahre", Wolfgang Petry, wenn auch ohne Bart.
"Ein Herz und eine Seele" und "Ohne Dich" quasi nebeneinander wirkt auch toll.

Aber natürlich wurden auch die neuen Songs präsentiert, "Du bist ein armes Schwein" und der neue Song "Jetzt ist Sommer". Wenn das kein Hit wird, weiß ich auch nicht, die CD dazu war jedenfalls schon im Tanzbrunnen ausverkauft.

Für mich ganz neu war "Das Leben ist zu kurz", und auch das hat mir extrem gut gefallen.

Für die Ansagen zum "Oldie-Block" hatte sich Dän diesmal ein ganz besonderes Verfahren einfallen lassen:
Überraschungsmoderationen à la "Du bist dran". Das klappte auch sehr gut, bis auf die Tatsache, daß Sari das falsche Lied anmoderierte, was ihm beim Publikum aber nur um so mehr Sympathien zufließen ließ und die Ansage noch interessanter machte. Wem von den 12000 da unten wäre es nicht so gegangen, wenn er vor diesen Massen gestanden hätte.

In der Pause wurde das von Anette und Rüdiger Dewitz gedrehte Video gezeigt: 5 Wise Guys in gelben Ölklamotten im Swimming-Pool planschend. Genial.

Nach der Pause ging es heiter weiter. Sari ließ seine Anmachsprüche auf's Publikum los und kam super damit an. Zur Ewald-Lienen-Hymne sah man, wie FC-Schals geschwenkt wurden. Eine Dame lief vor uns her und brüllte in Ihr Handy "Die singen gerad die Lienen-Saga", was ebenfalls für die Umstehenden recht belustigend wirkte.

Irgendwann versuchte Dän "When I'm 64" anzumoderieren, machte dabei aber ständig den Fehler, Ferenc' Namen zu erwähnen, was 12000 Menschen bei jeder Erwähnung zu Begeisterungsstürmen hinriß. Das ging eine ganze Weile so, bis Dän sich aus der Affäre zog, indem er einfach kurz und knapp den Titel nannte. War wohl auch besser so, denn anders hätte es locker 20 Minuten dauern können, ehe die Wise Guys hätten mit dem Singen beginnen können.

Ferenc mußte "Probier's mal mit 'nem Baß" anmoderieren und nutze die Gelegenheit, sich weitere Sympathien zu verschaffen und gleichzeitig am Dän für sämtliche Schikanen der letzten Jahre zu rächen. So wollen wir ihn öfter!

Tekkno wurde ebenfalls erneut ausgegraben, auch wenn Dän es als ihren "Fluch" bezeichnete. In Anbetracht der vielen Neulinge aber eine super Werbung, denn ich erinnere mich, daß ich selbst bei diesem Lied Tränen gelacht habe, als ich es das erste Mal gehört habe.

Ich könnte jetzt noch querbeet weitere Lieder aufzählen, die gesungen wurden, aber ich weiß die Zusammenhänge und Reihenfolge nicht mehr (das muß am Konzerttaumel liegen).

Als letztes Lied kam "Baby noch einmal", natürlich auch nochmal Suuuperstimmung und dann kamen "nur" noch die Zugaben.

"Nur" Weil sich die Wise Guys bis zur 5. (!!!) Zugabe immer wieder rausklatschen ließen. "Nein, nein, nein" kam und "Goldeneye", wieder superklasse, und seit ich im Wise Guys Gästebuch gelesen habe, daß das gar nicht Eddi, sondern tatsächlich Tina Turner war, da auf der Bühne, ist klar, warum das so echt rüberkam (auch wenn Tina Eddi schon ein wenig ähnlich sah... sie hatte vielleicht etwas kürzere Haare als Eddi).

"Jetzt ist Sommer" kam mal wieder, inzwischen war es wohl längst für alle der Ohrwurm des Abends, und im ersten Refrain flogen Boot und Wasserbälle der SHGWGG über die Köpfe der Konzertbesucher und alles zusammen umrahmt von ihrem bunten Sommerplakat sah wunderschön aus und war einfach Sommer!

Dann: "What a wonderful world", und ich war vollends überzeugt, daß Tina Turner den "echten" Louis Armstrong auf die Bühne geschleust hatte und war tief beeindruckt. Als ich mich umsah, schien es ganz offensichtlich allen anderen ähnlich zu gehen.

Mittlerweile hatten die Wise Guys angekündigt, daß sie in Erwartung eines frisch gezapften Kölschkranzes, der auf sie warte, sicher nicht nochmal rauskommen würden, aber sie wurden eines besseren belehrt. Gegen über 12000 hartnäckige Zuschauer kommen fünf noch so hartnäckige Sänger einfach nicht an.

So folgte dann als allerallerletztes Lied "Ich will keine a cappella", fein, das hatte ich doch gaaaanz zu beginn schonmal gehört, doch diesmal war es wieder mehrstimmig, wie ich es kannte.

Danach konnte auch das hartnäckigste Publikum nichts mehr ausrichten, die Wise Guys verschwanden und kamen nicht wieder. Aber die Erinnerung an dieses sicher für alle Beteiligten bombastische Erlebnis blieb.

Mit ein paar SHGWGG'lern, Konspis und Umfeld aßen, tranken, schwatzen wir noch ein wenig in den Rheinterrassen und ließen den aufregenden Tag ausklingen, bis sich alle wieder Richtung Heimat machten.

BOM-BAST-ISCH!

6 junge Leute, jeder mit einem Express unter dem Arm, kommen aus dem Sion-Brauhaus, als sie den Verkäufer für die Kölsche Rundschau sehen und ihn umlagern. "Schauen Sie doch einmal nach, ob es drin steht - ich weiß ja nicht, was sie suchen" - der Verkäufer hatte die Aufregung mitbekommen.

"Wir schauen im Zug nach, der ist sonst weg" sprach's, drückte von sechs Seiten Münzen in die Hand und schon waren 6 Leute schnell auf dem Weg zum Bahnhof - jeder mit einem Express und einer Rundschau...


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