Die Konspirativen
Konzertberichte

Konzert vom 04.05.2001, Vellmar
Bericht: mona am 05.05.2001

Endlich sind die Wise Guys wieder in Nordhessen - und diesmal bin ich nicht verhindert! Grund genug meine Eltern auf ihr erstes Wise Guys Konzert zu schleppen, die nur durch einige CDs und Fernsehauftritte vorbereitet waren.

Vorerst hatten wir aber eine Odyssee durch Vellmar und Niedervellmar vor uns. Am Ortsende von Niedervellmar beschlossen wir, Ortsansässige nach dem Weg zur Kulturhalle Niedervellmar zu befragen, woraufhin uns zwei Jungs erst einmal den Weg zurück schickten, den wir gekommen waren. Als wir das zweite Mal eine Gruppe Jugendlicher fragten, entnahmen wir deren Reaktion, daß wir nicht die ersten waren, die den Weg zur Kulturhalle wissen wollten. Dann waren wir da.

Viertel nach sieben, aber die Schlange war schon lang. Zwar nicht so lang, wie sie in Köln oder Bonn um die Zeit gewesen wäre, aber länger, als sie in Nordhessen sonst um die Zeit ist. Kein Wunder: Die Wise Guys waren bereits zum zweitenmal in Vellmar.

Die Plätze schienen bis zur fünften Reihe reserviert, was sich zum Glück als Trugschluß erwies: die Reihen eins und zwei waren wieder frei - äußerst praktisch, denn wenn schon die Halle recht groß ist, kann man so wenigstens durch Bühnennähe ein bißchen Kleinkunstbühnenatmosphäre schaffen und auch die Mimik besser sehen.

Jemand vom Veranstalter erschien auf der Bühne und erzählte ein paar einleitende Worte, dann kamen die Wise Guys und begannen mit der "Wahren Liebe", nicht mit dem Frühlingslied, wie vorher so oft. Mir fiel siedendheiß ein, daß ich ja einen Konzertbericht schreiben wollte, aber keinen Stift oder Zettel hatte, mit dem ich etwas hätte aufschreiben können. War ich in der Lage, mir wenigstens die Reihenfolge der Lieder zu merken? Ich griff zu einem Trick, den ich aus dem Buch "In 10 Tagen zum besseren Gedächtnis" hatte und hoffte, es würde helfen: Ich wollte versuchen, aus den Liedtiteln eine zusammenhängende Geschichte zu bilden. Da sie gerade die "Wahre Liebe" besangen, fiel mir nichts anderes ein, als die gleichnamige Sendung und ich sah im Geiste Lilo Wanders vor mir (fragt nicht, weshalb ich gerade darauf komme, ich weiß es auch nicht.). Das erste Lied wäre gemerkt und der Rahmen für die "Merkgeschichte" gesteckt. Ich überlegte, ob Anette auch solche Tricks nötig hat, um sich die Details für ihre lebendigen Konzertberichte zu merken, oder ob sie den Ablauf mittlerweile aus dem FF kann und nur die Abweichungen merkt. Ich werde sie mal fragen.

Damit nicht alles so auseinandergerissen ist, vorab die Story als solche, die Euch gleich durchs Konzertprogramm führen wird. Wer mag, kann ja die Lieder dazu schonmal selbst erraten.

Also:
Lilo Wanders sitzt auf einem Sofa, faßt sich plötzlich wegen Schmerzen an den Kopf, während sie den nächsten Talkgast ankündigt: Udo Jürgens. Dann steht sie auf und geht zur Theke, um dem Gast ein Bier zu zapfen. Auf dem Rückweg rennt sie aus Versehen gegen eine im Studio aufgestellte Mauer. Zufällig steht auf dieser Mauer ein Deodorant, das sie kurz benutzt, ehe sie wieder zur Talkecke geht. Udo, mittlerweile sauer, daß das Bier so lang braucht, verläßt wütend das Studio. Auf diesen Schock nippt Lilo kurz an ihrem Kaffee und kündigt den nächsten Gast an: Albert Einstein. Ehe sie sich mit diesem befaßt, sagt sie die Werbepause an. Es folgen zwei Werbespots: Einer über Corega Tabs, ein zweiter mit einer Bierwerbung, in deren Hintergrund "Bleib wie Du bist" ertönt (wäre das keine Idee? Vielleicht möchte Sion Kölsch ja einen Fernseh Spot?).
Wieder auf Sendung: Lilo beginnt mit Albert eine philosophische Diskussion, von der er aber bald abschweift, um Lilo anzubaggern. Sie lehnt ab, weil er zu alt sei, und bietet ihm als Trost das ursprünglich für Udo gezapfte Root-Beer an. Anschließend ein Filmbeitrag über eine Sexbomb, die sich aber bald als etwas dümmlich herausstellt. Zum Abschluß tritt Britney Spears auf und präsentiert ihren neuesten Song.

Die Zugaben wollte ich mir mutig ohne Gedächtnisstütze merken.

Nach dem ersten Lied begrüßte Dän das Publikum, das von Anfang an erstaunlich gut mitmachte. Ich stieß auf mein zweites Problem für diesen Abend: Wie konnte ich meine Eltern und die Wise Guys gleichzeitig beobachten, wo sich die einen zu meiner Linken, die anderen rechts von mir befanden? Nunja, damit mußte ich jetzt leben.

Bei dem Witz mit dem umfallenden Baum begannen die Lachsalven bereits nach den ersten Worten und schwollen beim anschließenden "Wenn ein Mann irgendwo auf der Welt ein Wort sagt..." Zeile für Zeile an. Nun kommt Lilos Kopfschmerz - die Aufmerksamen unter Euch haben es erraten: "Anna hat Migräne". Noch nie hat mir Clemens bei diesem Lied sooo leidgetan, aber sein Blick war diesmal einmalig mitleiderregend, und das, wo ich als selbst Betoffene sonst eher Mitleid mit der armen Anna habe, die mit Migräne im abgedunkelten Kämmerlein liegt, während ihr Freund sich mitleidheischend draußen im sonnigen Park vergnügt.

Es folgte die obligatorische Saalumfrage, bei der herauskam, daß ein Großteil des Publikums die Wise Guys tatsächlich zum erstenmal live erlebte. Fein, endlich mal was anderes als diese Heimspiele im Rheinland. Und tatsächlich: Lacher, an Stellen, an denen in Köln oder Bonn nicht mehr so stark gelacht wird. Ein erfrischendes Konzert!

In meiner Phantasiestory wie auch auf der Bühne kommt nun Udo Jürgens ins Spiel. Die Ansage zum RTL-Lied hat sich geändert. Angeblich hat Udo Jürgens mittlerweile geklagt und man dürfe das Ergebnis abwarten. Ob das mit der versehentlichen Ausstrahlung des Liedes durch den DLF zusammenhängt? Ich habe leider vergessen, dies im Afterglow zu verifizieren.
Das mit dem Klatschen auf die 2 und 4 wollte das Publikum wieder nicht so recht annehmen, so daß man wieder bei einem Wechselspiel 1+2+3+4 landete.

Es folgt "Genurjanie Indiebarda" (Lilo zapft Bier), wunderhübsch vorgetragen, aber im Gegensatz zu den anderen Liedern erschienen mir die Lacher des Publikums an den Stellen mit Wortwitz ein wenig verhaltener.

Als deutliches Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit "Wir bau'n die Mauer wieder auf" (gegen welche Lilo rennt) was begeistert aufgenommen wird. Schon in der Anmoderation nach Däns Kommentar, vieles was hierzulande ausländischen Mitbürgern widerfahre, treibe einem eher die Schamesröte ins Gesicht denn Nationalstolz: Spontaner Applaus aus dem Saal. Nach dem Lied erst recht.

Die nächste Anmoderation übernahm nicht, wie ich es kannte, Clemens, sondern Dän (wahrscheinlich weil sich das dauerhaft wegen Clemens' körperlichem Einsatz im vorangegangenen Lied als praktischer erwiesen hat).
Es folgt das "Parfüm" und eine neue Anmoderation - wieder von Dän, nicht von Eddi.

Letzterer singt "Ohne Dich" und bringt das wieder sehr heroisch rüber - wirklich überzeugend! Mir fällt auf, daß er diesen Handkuß, den ich "Goldeneye-Handkuß" nenne, auch in dieses Lied erfolgreich einbringt wie auch vorher schon in "Die Wahre Liebe". Es scheint sich um eine Eddi-Spezialität zu handeln.

Nachdem Udo in der Merkgeschichte den Saal verlassen hat, kündigt Eddi "Meine heiße Liebe" an. Ich erfahre, daß Clemens die in diesem Lied verwendeten Rhythmusinstrumente nicht, wie ich immer dachte, während seines Referendariats entwendet hat, sondern in seinen Therapiesitzungen, da er offenbar nicht so souverän mit einer Trennung umgehen konnte, wie in den vorangegangenen Liedern beschrieben. Die "Heiße Liebe" ist frisch, rhythmisch und munter wie eh und jeh. Klasse! Sari verausgabt sich bei seinen "Mokka"s fast und ich überlege, ob das letzte Keksmeeting direkt vor dem Konzert stattgefunden hat oder im Gegenzug dazu schon so lange nicht mehr, daß Sari Entzugserscheinungen bekommt.

Als neuer Gast in Lilos Show tritt Einstein auf, als neues Lied in der Show der Wise Guys folgt der "Besserwisser", begleitet von vielen Lachsalven aus dem Publikum. Direkt im Anschluß erfährt das Publikum dann den tatsächlichen Grund für die weiße Farbe des Shampoos (Neue Rechtschreibung "Schammpuh??? Keine Ahnung, ich schreibe eh lieber alt). Hatte ich mir doch fast gedacht...

Dän sagte die Pause an - was schon? - Und als letztes Lied vor der Pause folgte (Stichwort Corega Tabs) "Mädchen lach doch mal". Eines meiner Ohrwurm-Lieblingslieder, das wie immer gute Laune geschaffen hat. Besonders gespannt war ich auf die Känguruhbeutelfelltrommeln, von denen ich in Anettes und Dagmars Berichten schon gelesen hatte, ich hatte sie aber noch nie wirklich gesehen und genoß die auf der Bühne herumhüpfenden Känguruhs sehr.

In der Pause Plausch mit ein paar bekannten Gesichtern, ob SHGWGG, Konspirativ und auch meinem ehemaligen Gitarrenschüler und meinem ehemaligen Biolehrer schien es sehr gefallen zu haben. Meinen Eltern sowieso. Durchweg positive Stimmen aus dem Publikum also.

Nach der Pause hatten die Wise Guys Ihre Jeans und weißen Hemden in die schwarzen Anzüge und roten T-Shirts gewechselt und sangen "Bleib wie Du bist". Sie sollten wirklich einmal über einen Werbevertrag nachdenken.

Über das nun folgende "Philosoffenlied" von Tom van Hasselt hatte ich schon viel gelesen und gehört, ansonsten war es für mich neu, so daß ich es ganz besonders genoß. Ein Wortwitz folgt dem anderen, eine herrliche Durchleuchtung der Geschichte der Philosophie (und völlig anders als in Sophies Welt) und dessen, was dahinter steht - köstlich. Nach dem Konzert erfuhren wir, daß das Publikum auf dieses Lied angeblich immer verschieden reagiert, manchmal auch sehr verhalten, wenn nicht alles verstanden wird. Das nordhessische Publikum schien alles zu verstehen - hatte ja auch zuvor schon Intelligenz bewiesen, da jeder der Anwesenden (und laut Saalumfrage kam nur ein kleinerer Teil direkt aus Vellmar) irgendwie den Weg zur Kulturhalle gefunden hatte.

An der Stelle, wo Einstein zu baggern beginnt, singt Sari "Willst Du mit mir gehen" und zieht das Publikum ganz auf seine Seite. Nach dem Lied kommentiert meine Mama nur "Süß!"
Mir fällt auf, daß der Herr neben mir, der auch schon vorher auf Wise Guys Konzerten gewesen zu sein schien, eifrig Notizen macht, ich kann aber nichts entziffern. Vielleicht will er auch einen Konzertbericht schreiben, wofür auch immer? Wer weiß...

Die Wise Guys singen "When I'm 64" in dessen Anmoderation Dän Ferenc diesmal besonders alt gemacht hat. Dafür spendet das Publikum nach Ferenc ersten Worten spontanen Beifall. Der Grundstein für sein späteres Solo wäre gelegt und ich freute mich bereits auf Sexbomb.

Der Root-Beer-Rag überzeugte mich restlos davon, daß schon Saris Ausschweifungen keine Entzugserscheinungen waren, sondern daß das letzte Keksmeeting unmittelbar vor der Show stattgefunden haben muß. Obwohl schon zig-fach gesehen, hatte ich mit Lachanfällen zu kämpfen, und meiner Mutter schien es ähnlich zu gehen. Eddi hat sich mit seiner Mimik wieder selbst übertroffen, aber die Art wie er sich dann Nasenbein und Schläfen massierte, veranlaßte mich zu der Überlegung, ob er nicht doch auch Migräne....

Bei der Ansage zu Sexbomb überraschte mich dann meine Mutter. Trotz Unkenntnis des aktuellen Wise Guys Programmes meinte sie mit etwas spaßiger Ironie in der stimme, sobald Dän "Tom Jones" erwähnte: "Sexbomb oder was?" Ferenc im Glitzerfrack dann wieder klasse, das Publikum lag ihm auch hier zu Füßen und spielte prima mit, was nach "64" auch zu erwarten war. Dän log hinterher, daß dieses Phänomen der Übermotiviertheit des Publikums durch seine Anmoderation nur in ländlichen Gegenden zu beobachten sei. Stimmt doch gar nicht!

"Zu schön für diese Welt" folgte und als letztes Lied (ooooch) "Schlag mich Baby noch einmal" - Sari brachte Britney wieder klasse rüber und bei diesem Song genieße ich die Choreographie über alles und hatte mich schon gefreut, als ich in der Anmoderation die roten Kissen gesehen habe.

Das letzte Lied ist natürlich nie das letzte Lied, es folgten Zugaben. Als erstes eine Weltpremiere *freu**hüpf* - ich liebe Premieren. "Du bist ein armes Schwein" sehr hübsch, vielleicht vom Publikum etwas weniger angenommen, da es für die meisten im Publikum nur ein neues Lied unter vielen neuen Liedern war. Gerade aus dem Urlaub zurückgekommen, konnte ich das mit dem armen Schwein noch nicht so ganz nachvollziehen, aber vielleicht ist das in 1-2 Wochen ja schon wieder anders, wer weiß?

Als zweite Zugabe "Wenn der Herjott ruft" mit extra viel Hall auf Eddis Mudharmonika: richtig unheimlich. Danach war das Publikum so in Fahrt, daß es sich komplett erhob, bis die Wise Guys zum drittenmal rauskamen um "Goldeneye" zu präsentieren, nachdem Dän die Leute aufgefordert hatte, sich doch zu setzen, auch wenn er das Aufstehen sehr nett fand, sofern es nicht aus dem Grund geschah um zu gehen... "Goldeneye" fand ich weniger spannungsvoll als sonst und wußte nicht ganz, ob es an der größeren Bühne oder an zuviel Helligkeit im Bühnenbereich lag. Es fehlte auch so richtiger (Londoner?) Nebel.

Daß das Publikum danach sofort wieder standing ovations spendete, half nichts, die Jungs kamen nicht mehr und irgendwann verebbte der letzte Klatscher und das Aufstehen war letztlich doch erfolgt um zu gehen. Die letzte Zugabe sollte aber wie angekündigt im Afterglow erfolgen, und so gab es noch Hoffnung.

Nach einem Geburtstagsständchen erfolgte tatsächlich noch eine Zugabe, ein wenige Tage altes Lied, frisch aus der Wiege gehoben und zum erstenmal getestet. Ein Sommersong, wirklich hitverdächtig, auch das verbliebene Publikum war ganz hingerissen und soviel sei gesagt: Vor einigen Jahren waren die Wise Guys ob der verregneten Sommer noch grumpig, mittlerweile stehen sie da drüber.
Laßt Euch einfach überraschen.

Das war das Konzert, mal ein Konzert fernab des Rheinlandes. Ein offenes Publikum, welches zum größten Teil neu war. Tolle Stimmung und sogar ein paar neue Songs. Die Wise Guys haben mal wieder gezeigt, daß sie auch außerhalb Kölns immer wieder zu begeistern wissen.







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