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Konzertberichte
Konzert vom 07.04.2001, Millowitsch Theater in Köln
Bericht: Grisu am 09.04.2001
Das Wise Guys Konzert am Samstag, den 7. April, im Millowitsch Theater war das vorletzte der fünftägigen Konzertreihe. Natürlich war es schon seit langer Zeit ausverkauft und das Publikum machte einen bunt gemischten Eindruck.
Als die Wise Guys pünktlich um 20:00 Uhr auf die Bühne kamen wurden sie mit tosendem langanhaltendem Applaus begrüßt.
Dann begannen sie mit dem Lied „Die Wahre Liebe“, das sehr schön voll klang. Weiter ging es mit dem „Frühlingslied“, das ja jetzt zur richtigen Jahreszeit gesungen wird. Daniel erzählte nach dem Lied, dass einige Herren in den ersten Reihen ihre Frauen oder Freundinnen angestupst hätten, als wollten sie sagen ‚hey, die singen von Dir’. Wie man sieht handelt es sich anscheinend um ein sehr lebensnahes Lied :-)
Danach kam die Zuschauerbefragung, bei der sich herausstellte, dass überwiegend Neuhörer da waren. Bei der Frage, ob auch Düsseldorfer da seinen meldete sich niemand, woraufhin Daniel meinte, dass das merkwürdig sei, schließlich waren an den übrigen Abenden auch Düsseldorfer da gewesen, aber vielleicht seien heute einfach keine mutigen Düsseldorfer da... Im kölschen Millowitsch Theater hatte er damit das Publikum natürlich auf seiner Seite :-)
Beim nun folgenden „RTL-Lied“ war es besonders schön, wie Clemens für die verschiedenen Rollen seine Stimme verstellte; das war echt gut! Erstaunlicherweise blieb das Publikum recht lange still. Der erste Szenenapplaus kam erst beim ‚Parteivorsitzenden der FDP’ und ab da wurde dann mitgeklatscht, natürlich auf 1 und 3. Als die Wise Guys dann beim letzten Refrain auf 2 und 4 mitklatschten ging ein Teil des Publikums mit, der andere Teil blieb bei 1 und 3, was Daniel anschließend mit der Bemerkung kommentierte, dass der eine Teil musikalisch, der andere Teil konsequent sei.
Weiter ging es mit dem Lied „Gehnurjanie Indiebarda“ bei dem mir jedes Mal Saris Trompetensolo besonders gut gefällt. Sehr überzeugend war auch Eddi, der als Joe demonstrativ sein Hemd aufknüpfte und keine Fragen offenließ, was an ihm wohl besser ist :-)
Bei der Ansage „Zur Lage der Nation“ erzählte Daniel von einer rechtsrheinischen Initiative, die sich mit der Frage beschäftigt, wie stolz man auf sein Viertel sein kann. Leitspruch der Initiative: ‚Ich bin stolz ein Deutzer zu sein’. Diese Frage wurde dann vom Bundestag aufgenommen, allerdings in der abgewandelten Version: ‚Ich bin stolz ein Deutscher zu sein’ und wird nun dort diskutiert. Da es anscheinend keine wichtigeren Dinge im Bundestag zu bereden gibt mussten die Wise Guys versuchen, eine Lösung für das Problem der Ausländerfeindlichkeit zu finden. Ihre Lösung stellten sie dann im Lied „Zur Lage der Nation“ vor. Das Lied war schauspielerisch wieder eine Glanzleistung und die Satire kam richtig gut rüber. Anschließend berichtete Daniel noch, dass die Wise Guys die Initiative „Gesicht zeigen“ unterstützen.
Danach wurde „Parfüm“ gesungen, ein Lied, in dem noch richtig mit Klasse und Stil vom Ende einer Beziehung gesprochen wird.
Heutzutage ist es allerdings nicht mehr möglich so stilvoll mit einer Trennung umzugehen. Die Alternative dazu wird in dem Lied „Ohne Dich“ besungen. Das Stück war wieder ungeheuer kraftvoll und aggressiv und Eddi hat es sehr überzeugend und hart gesungen.
Als nächstes kam dann das Lied „Meine heiße Liebe“ und Clemens kam mit einem sehr verzweifelt/zerknirschten Gesicht und den Percussioninstrumenten auf die Bühne. Eddi erzählte, dass Clemens bei einer Selbstfindungsgruppe sei und dass dort zusammen getrommelt, geratscht und gerasselt würde. Dort konnte Clemens dann auch die Instrumente besorgen, so dass das Lied den nötigen südamerikanischen Flair erhalten konnte. Am Ende war dann auch das Licht besonders schön passend südamerikanisch mit den Farben rot, gelb und grün.
Anschließend begann Clemens mit der Moderation zum Lied „Besserwisser“ und erzählte, dass vier der fünf Wise Guys Schäden durch die Reform der gymnasialen Oberstufe in den siebziger Jahren davongetragen haben (tragisch!) und dass bei einem die Schulzeit durch die Kriegsjahre unterbrochen wurden (immer diese Andeutungen...) Diese Moderation führte bei den anderen zu einem heftigen Lachanfall, bei dem sich Publikum und Wise Guys gegenseitig ansteckten. Der „Besserwisser“ wurde dann aber doch gesungen und mir kam es so vor, als sei er noch schneller gewesen als sonst.
Die erste Hälfte des Konzertes war nun fast vorbei und Daniel legte den üblichen Werbeblock ein. Als Besonderheit gab es aber nicht nur den Wise Guys Artikelstand sondern auch einen Stand der Initiative Herzkranke Kinder, an dem man u.a. Klangherzen kaufen konnte.
Daniel legte dem Publikum ganz besonders den Wise Guys Kalender ans Herz, der mittlerweile zum extrem günstigen Preis von 5,-DM zu haben ist. Am Ende des Werbeblocks ließ er dann noch mal den Hilfeschrei los: “Bitte kaufen sie einen Kalender, bitte!“
Anschließend wurde dann „Mädchen lach doch mal“ gesungen. Das tolle dabei ist, dass Eddi und Sari endlich ihre Trommeln haben. Sie mussten ja eine ganze Reihe verschiedener Trommeln ausprobieren doch mittlerweile scheinen sie sich für die Kängurubeutelfelltrommel entschieden zu haben. Eine Trommel, die bei Tierschützern ziemlich umstritten ist da das lebende Tier noch mit dran hängt. Allerdings ist diese Trommel auch sehr schwer zu spielen, da die Kängurus ihren eigenen Willen haben und besonders im letzten Refrain mit Eddi und Sari durchgehen. Vor allem Eddi hüpfte zum Schluss mit seinem Känguru um die Wette und kassierte außerdem diversere Boxschläge.
Dann verschwanden die Wise Guys in die Pause und das Publikum drängelte ins Foyer, um dort Daniels Hilferuf, Kalender zu kaufen, nachzukommen.
Nach der Pause ging es dann sofort weiter mit dem Lied „Bleib wie du bist“. Hier gab es an der Stelle ‚die Frauen sind konstant wie das Wetter im April’ heiteres Lachen. Ob das daran liegt, dass uns das Wetter diesen Monat sehr eindrucksvoll zeigt, was Daniel damit gemeint hat...?
Danach wurde dann das „Philosoffen“ Lied gesungen. Dieses Lied ist noch nicht lange im Programm und stammt auch gar nicht von den Wise Guys selber sondern wurde von Tom van Hasselt geschrieben. Das Stück gefällt mir supergut (ich fand es besser als in der Philharmonie, aber vielleicht liegt das auch daran, dass das Millowitsch Theater kleiner und intimer ist) und es bringt stilmäßig ordentlich Abwechslung ins Programm. Es ist aber auch zu schön, wie den alten Denkern auf den Zahn gefühlt wird und welch undenkbare Zusammenhänge da plötzlich klar werden (ich sag nur: in vino veritas!)
Anschließend wurde das Lied „Willst du mit mir gehn“ angesagt und Sari schaffte es schon vor dem Lied, das Publikum durch sein gewinnendes Lächeln auf seine Seite zu bringen. Da war es eigentlich egal, welch nicht nette Dinge Daniel über Sari erzählte. Dann wurde das Lied auch sehr überzeugend und selbstbewusst von Sari gesungen und dargestellt wofür er am Ende Wahnsinnsapplaus erntete. Die andern vier schauten ein bisschen betröppelt und ungläubig in den Saal und Sari heizte das Publikum mit einer versteckten lässigen Handbewegung zu weiterem Applausstürmen an. Er strahlte über das ganze Gesicht und man sah ihm richtig an, wie er diesen Augenblick genoss. Pass auf Ferenc, du bekommst Konkurrenz!
„When I’m 64“ begann total super mit satten klaren Basstönen. Das war Musik die einem durch und durch ging und von vielen Seiten war anerkennendes Gemurmel zu hören. Der background war allerdings anders als sonst, was aber ziemlich lustig war, weil die Wise Guys selber auch lachen mussten. Insgesamt war es wieder mal toll gesungen und wurde entsprechend mit Applaus belohnt (und das „Plemplem“ ging wie eigentlich fast immer im Applaus unter).
Da der alltägliche Stress immer weiter zunimmt veranstalten die Wise Guys in regelmäßigen Abständen Keksmeetings, um einen Ausgleich zu schaffen. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und sie wären an dem Stress zerbrochen, aber zum Glück fiel ihnen im letzten Moment noch der Spruch ein: „Irgendwann wenn du denkst es geht nicht mehr (hier setzte dann auch ein großer Teil des Publikums ein) kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Das Lichtlein der Wise Guys ist der „Root Beer Rag“ der dann wieder superschnell gesungen wurde. Ich frage mich bei diesem Lied ja immer wieder, wie Eddi es schafft gleichzeitig zu singen und diese irren Grimassen zu schneiden. Das ist echt unglaublich. Nach dem Root Beer Rag kam dann auch prompt ein lauter fordernder Zwischenruf „Kekse“. Der Zwischenrufer wurde allerdings mit den Worten vertröstet: „die nächste Total- Nacht kommt bestimmt“. Ob Eddi da für alle Kekse backen wird? Das muss ja ein vielversprechend lustiges Konzert werden :-)
In Zeiten, wo arbeitslose Automechaniker und selbsternannte Modeschöpfer in der Öffentlichkeit singen dürfen ist es nicht verwunderlich, dass auch in Ferenc der Wunsch groß wurde, einmal ein eigenes Lied mit richtigemText singen zu dürfen. Und da die Wise Guys ja sooo nett sind und außerdem auf die Gutherzigkeit des Publikums vertrauen darf Ferenc in der Tat ein eigenes Lied singen. „Sexbomb“ wurde dann auch mal wieder zu einem der Höhepunkte des Abends und Ferenc wurde mit sehr viel Applaus, Gejohle und sogar standing ovations belohnt und gefeiert. Die andern vier sahen ziemlich verzweifelt aus, so dass man fast schon Mitleid mit ihnen haben konnte, aber wahrscheinlich siegte dann doch die Schadenfreude, schließlich hatten die vier kurz vorher Ferenc gar nicht nett behandelt. Besonders schön war es dann auch, als Ferenc seinen Glitzerfrack auszog und lässig wegwarf und dieser dann prompt auf Saris Kopf landete. Sari schaute ziemlich angewidert und entsorgte den Frack mit spitzen Fingern.
Sehr kraftvoll wurde dann „Zu schön für diese Welt“ gesungen und endete mit einem sehr eindrucksvollen Bild: die schwarzen Silhouetten der Wise Guys vor einem gespenstisch blauen Hintergrund. Klasse!
Vor dem letzten Lied kamen erst noch die Danksagungen und gleichzeitig wurden die Adventskissen hereingetragen. Es scheint gar nicht so einfach zu sein, diese Kissen in den richtigen Abständen auf den Boden zu legen, denn Clemens und Eddi starteten eine nonverbale Diskussion über die Position der Kissen, deren Lage noch ein paar Mal verändert wurde. Dann begann Daniel mit der Anmoderation zu „Schlag mich, Baby“ und erzählte irgendwas von VHS-Kursen mit Klaus worauf Eddi völlig die Fassung verlor. Warum blieb leider unklar...Das Lied wurde dann im dichten Nebel und mit toller Beleuchtung sehr schön gesungen. Und die Kissen schienen auch an den richtigen Plätzen zu liegen; es sah jedenfalls nicht anders aus als sonst.
Dann verließen die Wise Guys die Bühne und sofort wurden im Saal „Zugabe“- Chöre laut. Die Wise Guys kamen dann auch bald wieder auf die Bühne und sangen „Nein, nein, nein“, ein Lied, das wohl besonders in Köln sehr gut ankommt. Bemerkenswert fand ich allerdings, dass erst beim letzten Refrain nach Aufforderung mitgeklatscht wurde. (Gefällt mir auf jeden Fall besser, als wenn das Lied total zerklatscht wird)
Die Wise Guys gingen wieder von der Bühne und der Saal wurde in mystisch-blaues Licht getaucht. Dies kam dadurch, dass der große Kristallleuchter angestrahlt wurde.
Als zweite Zugabe wurde „Wenn der Herrjott ruft“ gesungen. Auch hier war das Licht total klasse. Eddis „Mundharmonika“ wurde schneidend und fast unwirklich durch den Saal getragen. Super! Die Mischung aus diesen Tönen und dem dunkelroten Licht, in das die Bühne getaucht wurde war echt zum Gänsehaut kriegen.
In der kurzen Pause bis zur letzten Zugabe wurde der Saal wieder in dieses blaue Licht getaucht und man fühlte ich ein bisschen wie in einem Aquarium.
Als letzte Zugabe wurde dann Golden Eye gesungen. Eine grandiose Inszenierung aus Licht, Schauspiel und natürlich Gesang. Die Musik war sehr laut und eindringlich, die Mimik im dichten Nebel kaum zu erkennen aber dadurch vielleicht noch packender als sonst. Das ganze Stück wirkte unheimlich, gespenstisch und irgendwie unwirklich. So gut hat es mir selten gefallen, das war echt ein meisterhaftes Schlussstück.
Nach der letzten Zugabe eilten erstaunlicherweise die meisten Leute schnell zu den Garderoben und verließen das Millowitsch Theater. Zum Afterglow blieben nur einige wenige und der war dann auch recht schnell zu Ende.
Alles in allem war es eines der besten Konzerte die ich bis jetzt gesehen habe. Insgesamt sehr stimmig, der Ton war gut, das Licht war klasse, und die Wise Guys waren supergut drauf. Dankeschön für den tollen Abend!
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