Die Konspirativen
Konzertberichte

Konzert vom 26.01.2001, Wiehltalhalle in Wiehl
Bericht: Grisu am 20.03.2001

Das Wise Guys Konzert in Wiehl war im Nu ausverkauft, noch bevor richtig Werbung dafür gemacht gemacht werden konnte. Am Konzertabend standen die ersten Fans dann auch schon eine Stunde vor Einlaß vor den verschlossenen Türen, um sich einen guten Sitzplatz zu sichern. Als gegen 19:00 Uhr die Saaltüren aufgingen strömten gut 700 Leute in den Saal, der blitzschnell voll war. Die Stimmung war gut und die Vorfreude auf das Konzert war überall zu spüren. Schon einige Minuten vor Konzertbeginn (das Saallicht brannte noch) begann das Publikum die Wise Guys mit lauten Klatschrhythmen auf die Bühne zu fordern. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt schon spitze, obwohl sich noch keiner der Fünf hatte blicken lassen. Es dauerte dann auch nicht mehr lange bis das Licht ausging und die Wise Guys auf die Bühne kamen. Nun waren die Konzertbesucher nicht mehr zu bremsen und bereiteten den Jungs einen gigantischen Empfang mit viel Applaus, Fußgetrampel und Gejohle. Der Applaus wollte kein Ende nehmen und ich befürchtete schon, daß die Wise Guys nach zwei Stunden wieder gehen würden, ohne auch nur ein Lied gesungen zu haben. Glücklicher Weise schienen das dann auch einige andere Zuschauer zu denken, denn allmählich wurde der Applaus etwas leiser und hörte dann auf.
Die Wise Guys begannen mit dem "Frühlingslied", dessen feine Ironie beim Publikum sehr gut ankam und es zwischendurch oft und herzlich lachen ließ.
Nach diesem Lied begrüßte Dän die Zuschauer, erwähnte, daß das Wiehler Publikum sich letztes Jahr schon in die Herzen der Wise Guys geklatscht hat und bewies anschließend, daß er sich mit der Wiehler Statistik gut auskennt. Er kannte die aktuellen Einwohnerzahlen von Wiehl und wußte außerdem zu berichten, daß in Wiehl 60 Frauen mehr leben als Männer. Womit er beim Thema des Programms und des folgenden Liedes war: Die Beziehung zwischen Mann und Frau, kurz: die Liebe. Die Ballade "Die wahre Liebe" wurde dann sehr schön und ruhig von Eddi gesungen.
Danach folgte die obligatorische Zuschauerbefragung, bei der sich herausstellte, daß die Anzahl der Leute, die die Wise Guys schon mal live in einem Konzert gesehen haben ungefähr so groß war wie die Zahl der Neuhörer.
Um dem Publikum etwas von den Privilegien abzugeben, die man als Kölner Prominenter hat (z.B. Karten für das Konzert von Udo Jürgens in der Kölnarena; Vip-Loge)sangen sie den Höhepunkt des Udo Jürgens Konzert-Abends, die 2001-Version des Hits "Ich war noch niemals in New York" (die mittlerweile den gesellschaftliche Bedürfnissen angepaßt: "Ich war noch nie bei RTL" heißt) und gaben damit dem Publikum eine eindrucksvolle Entscheidungshilfe, ob es sich lohnt, ein Udo Jürgens Konzert zu besuchen. Das Lied lud schon nach den ersten Versen zum Mitmachen ein und das Publikum splittete sich rasch in zwei Fraktionen auf: Die 'auf 1 und 3 Klatscher' und die 'auf 2 und 4 Klatscher' (die Wise Guys gehören bei diesem Lied übrigens zu den 'auf 2 und 4 Klatschern').
Zum folgenden Lied erzählte Dän, daß sie es nie verstanden haben, da es komplett in portugiesischer Sprache geschrieben ist. Wenn man aber die Atmosphäre, Melodie und Akkorde auf sich wirken lasse, meint man das Lied mit dem portugiesischen Originaltitel "Gehnurjanie Indiebarda" verstehen zu können. Und in der Tat, das Publikum verstand den Text, was durch häufiges Lachen und Szenenapplaus zum Ausdruck kam.
Danach kamen die Wise Guys auf ein ernsteres Thema, den Ausländerhaß, zu sprechen und stellten mit dem Lied: "Zur Lage der Nation" ihr Konzept zur Beseitigung der Fremdenfeindlichkeit vor: 'Wir bau'n die Mauer wieder auf denn langsam wird uns das zu dumm. Aber nicht mehr mittendurch, diesmal bau'n wir außen rum.' Zum Glück verstand das Publikum die Ironie dieses Textes, unterstützt von den hervorragenden schauspielerischen Fähigkeiten der Wise Guys, die es eigentlich unmöglich machen, das Lied falsch zu verstehn. (was leider nicht selbstverständlich ist; die Wise Guys können sich da sehr gut an einen Auftritt in Dresden erinnern...)Unterstützt wurde das Ganze von Clemens, der alleine eine ganze Marschkapelle immitierte. Einfach klasse!
Noch völlig außer Puste sagte Clemens dann das nächste Lied an. "Parfüm" wurde wieder sehr schön und ruhig im Stil der Comedian Harmonists gesungen und das Publikum hörte aufmerksam zu.
Als dann aber "Meine heiße Liebe" angesagt wurde, war es mit der ruhigen Stimmung schlagartig vorbei und das Publikum begrüßte es mit lautem Vorapplaus. Dann mußten die Wise Guys sogar kurzfristig ihren Status als a-cappella Gruppe aufgeben, da sie (von Clemens selbstgeschnitzte) Rhythmusinstrumente einsetzten um den südamerikanischen Touch des Liedes hervorzuheben. Die Tatsache, daß es sich bei der heißen Liebe nicht etwa um eine Frau handelt sondern um die morgendliche Tasse Kaffee rief besonders bei den Neuhörern Heiterkeitsausbrüche hervor.
Nomen est Omen; das wurde beim folgenden Lied "Besserwisser" deutlich, bei dem die Wise Guys im rasanten Tempo auf einige Forschungslücken der Wissenschaft hinwiesen. (Kriegen herzlose Menschen einen Herzinfarkt?; Warum wird bei mir jede Ampel rot?; Und warum geht es in der andern Schlange im Supermarkt immer doppelt so schnell wie in meiner? um nur ein paar der Fragen zu erwähnen).
Das Lied "Mädchen lach doch mal" war das letzte Lied vor der Pause. Begleitet wurde es von Sari und Eddi an Bambustrommeln, die man aber nicht sehen konnte, weil sie im Internet bestellt wurden und nie angekommen sind.
Nach der Pause ging es dann mit einem ruhigeren Lied weiter. "Bleib wie Du bist" ist das schönste, was man seinem besten Freund sagen kann. Gesungen wurde es von Dän, der es versteht, viele Momente einer wirklich guten Freundschaft so zusammenzufassen daß es nicht kitschig wirkt, daß aber der Wert einer solchen Freundschaft deutlich wird.
Danach wurde von Dän bekanntgegeben, daß Sari an einer Fetenneurose leidet, die sich darin äußert, daß er auf Feten und Parties sofort versucht alle weiblichen Besucher von sich zu überzeugen. Aufgrund seines 'spektakulär unspektakulären' Äußeren habe er sich dabei auf das Süßholzraspeln spezialisiert und wolle nun die Top Ten seiner schlechtesten Anmachsprüche mit dem Lied "Willst Du mit mir gehen?" präsentieren. Daß Sari mit den Sprüchen durchaus Erfolg haben könnte, zeigte sich mal wieder an den Reaktionen des Publikums, das sich in seiner Begeisterung nicht bremsen ließ.
Bei dem Lied "When I'm 64" begeisterten besonders die kölsche und die sächsische Strophe das Publikum und es kam zu neuen Lachanfällen. Das letzte 'Plemplem' ging, wie fast immer, im tosenden Applaus unter.
Danach war die Rede von der Hektik und dem Streß in der Gesellschaft, von Kekstreffen bei denen Eddis Kekse immer gewinnen, weil sie so wunderbar leicht und egal machen und von einer Oase der Ruhe, die plötzlich in einen superschnellen und gut gesungenen "Root Beer Rag" überging.
Nach dem "Root Beer Rag" standen die Wise Guys dann plötzlich nur noch zu viert auf der Bühne, Ferenc fehlte. Und dann ging es mal wieder los, Ferenc wurde von den anderen gnadenlos fertiggemacht (er ist 1. zu alt und 2. der Baß, der nur eine dienende Rolle in der Gruppe habe, damit die Tenöre und Baritöne brillieren können) und der Gipfel sei ja, daß er mal ein eigenes Lied singen wolle. Aber da die Wise Guys ja keine Unmenschen sind und an die christliche Nächstenliebe des Publikums appellieren, darf Ferenc ein eigenes Lied singen. Nach dem Intro kam Ferenc im Glitzerfrack und mit einem lässigen Grinsen im Gesicht auf die Bühne geschlittert und hatte mit seinem Lied "Sexbomb" im Nu alle Herzen erobert. Nur zu schnell wurde deutlich, wer der eigentliche Star der Wise Guys ist und die Wiehltalhalle begann überzukochen. Der Applaus konnte erst durch Ferenc 'Abwinken' gestoppt werden, er hatte das Publikum vollkommen im Griff. Und auch Däns Bemerkung, daß das lange gewachsene Gruppengefüge der Wise Guys mit einem Mal zerstört worden sei konnte die Zuschauer nicht beeindrucken; der 'Held' wurde weiter gefeiert.
Irgendwann ging es dann aber wieder weiter, diesmal mit dem Lied "Zu schön für diese Welt".
Danach präsentierten die Wise Guys ihren ersten Schlager mit dem apokalyptischen Titel "Nein, nein, nein". Es ist aber auch zu tragisch, wenn eine Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, bloß, weil die Angebetete zu weit nördlich von Köln wohnt (D'dorf!!!). Den Wiehlern war diese Problematik offensichtlich bekannt und es wurde oft wissend gelacht.
Dann kamen die Wise Guys auch schon zum letzten Lied des Abends und endlich wurde geklärt, wie die Fünf finanziell über die Runden kommen. Daß man von den paar Konzerten und CDs nicht leben kann ist ja völlig einleuchtend. Gut für die Wise Guys, daß sie vor ein paar Jahren Britney Spears entdeckten und zu einem Superstar machten. Dabei konnte jeder seine ganz persönlichen Fähigkeiten miteinbringen. Heute schreiben die Wise Guys nach wie vor alle Lieder für Britney und kassieren 78% aller Einnahmen; und zwar jeder von ihnen. Als Gegenleistung sorgen sie für niveauvolle Texte und eine hervorragende Choreographie, die sie auch im Selbstversuch testen. Das präsentierten sie dann mit dem Lied "Schlag mich Baby". Auf Deutsch gesungen (damit man das Niveau des Textes wirklich erkennen kann)und mit einer unglaublich erotischen Choreographie. Einfach super!
Daß das Wiehler Publikum die Wise Guys danach nicht einfach gehen ließ ist völlig klar, und nach einiger Zeit kamen sie auch wieder auf die Bühne. Diesmal wurden wieder die etwas ruhigeren Töne angeschlagen und ein Lied über den Tod gesungen. Das Lied "Wenn der Herrjott ruft dann ist Sense" von der Kölner Mundartgruppe 'Höhner' erzählt, daß Sterben gar nicht so schlimm ist, man muß es nur standesgemäß machen. Hervorragend war hier Eddis 'Mundharmonika' mit der Melodie von 'Spiel mir das Lied vom Tod'. Sehr eindrucksvoll!
Danach ließen sich die Wise Guys noch zu einer zweiten und letzten Zugabe bewegen. Dän beteuerte zwar, daß das Wiehler Publikum noch mehr Zugaben verdient hätte, bat aber um Rücksicht auf den kranken Eddi (er hat sich tapfer gehalten, Dankeschön).
Er erzählten dann von der Anfangszeit ihrer Gruppe und daß sie a-cappella Musik aus Idealismus machen, weil sie durch die Musik die Welt ein bißchen verbessern wollten: Fremde lagen sich in weinend in den Armen, Feinde reichten sich die Hand - plötzlich wird Dän von einem lauten Zuruf 'Hör auf!'unterbrochen, kontert jedoch mit 'ich zieh das jetzt durch' - und abgestorbene Blumen erblüten zu neuem Leben. Dann kam Marcello Sarini, Inhaber eines kleinen Eiscafès in Köln-Sülz, auf die Bühne und sang mit wunderbar italienischem Akzent " Ich will keine a-cappella".
Es war ein schöner Schluß dieses wirklich außergewöhnlichen Konzertes und die Wise Guys verließen unter tobendem Applaus die Bühne.
Anschließend wurden beim Afterglow noch fleißig Autogramme geschrieben und viele Photos gemacht.
Es war wirklich eindrucksvoll, wie von der ersten Sekunde an der Funke gegenseitig übersprang. Außerdem war wieder eine Nähe zum Publikum da, die man aufgrund der Größe der Halle gar nicht vermutet hätte. Es war ein ganz besonderes Konzert und ein wirklich toller Abend.


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